• Chris

Ole Werner wartet auf das Kribbeln am Freitag

Aktualisiert: 19. Sept 2019

Neuer Trainer, alte Prozedur: Zwei Tage vor dem Spiel steht die Pressekonferenz an. Aus gegebenem Anlass verwunderte nicht, dass heute auch Fabian Wohlgemuth vor der Medienrunde Platz genommen hat, um über die aktuelle Situation zu informieren. Neben ihm der Übergangs-Neue Ole Werner. Der Trainer von Holsteins Regionalliga-Truppe hatte schon einmal die Position als Interimscoach inne. Damals in Kooperation mit Hannes Drews nach der Demission von Karsten Neitzel. Am Freitag sitzt er als alleiniger Chef neben den Co-Trainern Fabian Boll und Patrick Kohlmann auf der Trainerbank. Ob da am Freitag wohl Aufregung mitspielen wird? Jedenfalls wissen wir nun was er vor der und für die Partie gegen Hannover 96 für wichtig hält.



1. Zuerst kam allerdings Fabian Wohlgemuth zu Wort, der die letzten Tage als „außerordentliche und außergewöhnliche Entwicklung“ betitelte. „Außerordentlich insofern, als dass wir uns zu so einem frühen Zeitpunkt innerhalb der Saison dazu entschlossen haben, eine Korrektur vorzunehmen aufgrund der sportlichen Entwicklung“, erklärte der Sportdirektor. Die frühe Trennung war in seinen Augen jedenfalls unumgänglich: „Es war einfach wichtig, so konsequent und so früh zu hanlden, um einfach genügend verbleibende Spiele am Ende zu haben, um die entsprechende Punkte eben auch einzufahren.“


Es war eine lange Diskussion am Sonntagmorgen, die konsequenter Weise nur einen Entschluss zuließ: Ein neuer Trainer muss her. Eine unterschiedliche Auffassung über die Entwicklung der Mannschaft und einzelner Spieler sowie die sportliche Konzeption waren die unüberbrückbaren Gründe für die Trennung. Also, die grundlegendsten Dinge zwischen Trainer und Sportdirektor überhaupt. Da fragt sich wahrscheinlich nicht nur Adebar, wie man bei scheinbar solch großen Unterschieden vor der Saison überhaupt zusammenfinden konnte. Schnellschuss? Keine Alternativen? Rückfall in alte Zeiten, als Namen ein wichtiger Faktor für die KSV waren? Die Bezeichnung „ungünstige Konstellation“ ließ das Bild dabei nicht besser werden.


„Nach langen Gesprächen – auch am Sonntag – mit Ole Werner haben wir uns aktuell dazu entschieden, mit ihm als unseren Cheftrainer weiterzumachen. Ole Werner verfügt über das fachliche Wissen, über die entsprechende Kompetenz eine Zweitligamannschaft zu führen. Er kennt den Verein in- und auswendig. Er verkörpert, und das ist besonders wichtig, die Holstein Kiel-DNA“, lobt Wohlgemuth Schuberts Nachfolger. Und dann nahm Wohlgemuth noch eine Frage vorweg: „Die Frage danach, ob es eine dauerhafte Lösung sein wird, können wir jetzt noch nicht beantworten. Wir hoffen, gemeinsam die entsprechenden Argumente zu sammeln, dass diese Interimslösung dann entsprechend auch zur Dauerlösung werden kann.“



2. Dann begrüßte Ole Werner die Runde mit einem freundlichen „Moin, Moin“ und erzählte von arbeitsreichen ersten Tagen. „Das bleibt nicht aus, muss aber auch so sein“, ließ er gleich seine Arbeitsmoral durchblicken. „Das ist ja auch das, was grundsätzlich Spaß macht am Fußball: mit einer Mannschaft zu arbeiten.“ Der neue Coach erklärte den Medienvertretern, dass er nicht nur ein kompetentes Trainer-Team vorgefunden hat, sondern auch eine Mannschaft, „die große Lust hat“. Die Grundlage dafür, dass es funktionieren kann, am Freitag ein gutes Spiel abzuliefern, hat er seiner Aussage nach gefunden.


Angesprochen auf den Lehrgang zur Fußballlehrerlizenz gab Werner bekannt, dass man sich ob der Kürze der Zeit noch keine Gedanken machen konnte, wie die Aufgabenverteilung läuft, wenn er unter der Woche in Hennef verweilen muss. „Das Gute ist ja, dass im Moment Lehrgangspause, zumindest was die Anwesenheit vor Ort angeht, ist. Die dauert noch diese Woche und die nächsten beiden.“ Wohlgemuth warf direkt darauf ein: „So weit in die Zukunft wollen wir auch gar nicht schauen. Wir sind im Hier und Jetzt und befinden uns in der Vorbereitung auf das Spiel gegen Hannover. Darauf liegt der ganze Fokus.“ Klingt für Adebar ein Stückweit so, als ob man sich eine Dauerlösung mit Ole Werner doch noch lange nicht vorstellen kann und man schnell einen neuen Mann präsentieren könnte.


3. Natürlich waren die Journalisten auch interessiert an der Person Ole Werner und so beschrieb er auch, was er für ein Trainertyp ist: „Es ist immer schwierig, über sich selbst zu sprechen. Als Typ, glaube ich, dass ich jemand bin, der in der Arbeit mit der Mannschaft schon darauf setzt, dass Kommunikation stattfindet, dass man sich die Dinge gemeinsam erarbeitet und dass man auch immer ein offenes Ohr für die Mannschaft hat. Heißt auch, dass ich mir am Ende des Tages alles angehört habe, aber dann auch Entscheidungen treffe.“ Entscheidungen treffen, Richtlinien vorgeben – Dinge, die eine hohe Priorität für Ole Werner besitzen. „Wir brauchen klare Regeln und klare Konsequenzen, die daraus entstehen. Wenn der Rahmen klar ist, in dem ich mich bewegen kann, dann gibt das Sicherheit und dann gibt es in diesem Rahmen auch viele Freiheiten.“ Seine präferierte Spielweise wird auch eher eine sein, die nicht darauf abzielt sich zu verstecken. Diesbezüglich stellt Ole Werner auch deutlich klar: „So gut wie alle Trainer im Nachwuchs (von Holstein, Anm. d. Red.) – das betrifft mich genauso – sind schon so gepolt, dass wir gern den Ball haben wollen und dass es dem Gegner mit Ball nicht so wahnsinnig viel Spaß bringt gegen uns zu spielen, weil wir ihn früh stören.“



4. Was will der neue Trainer nun aber konkret gegen Hannover am Freitag anwenden und was erwartet er von der Partie? „Es ist ein Freitagabendspiel, die Hütte wird wahrscheinlich mehr oder weniger ausverkauft sein, das heißt, das Erste, was wir auf den Platz bringen wollen, ist erkennbar als Mannschaft aufzutreten. Die Mannschaft wird einen klaren Plan haben, wie sie verteidigt, und sie wird einen klaren Plan haben, wie sie angreifen will“, macht Ole Werner unmissverständlich klar. Dabei ist es ihm wichtig, dass elf Spieler auf dem Feld stehen, die auch genau wissen, was sie tun sollen und das umsetzen wollen. Auf welches Personal genau er dabei setzen wird, lässt Werner natürlich noch offen. Jede Position wird für sich bewertet. Das gilt auch für die Torwartposition, wie Werner auf Nachfrage erklärt.


5. Verkauft hat die KSV bis zum heutigen Nachmittag bereits mehr als 14.000 Karten. Das ist somit schon mal Rekord für die Zeit nach dem Aufstieg. Bisher gab es beim Spiel gegen St. Pauli vor zwei Jahren die höchste Besucherzahl. Trotzdem wird die Hauptkasse vor der Südtribüne geöffnet sein und auch an der Kasse vor der Osttribüne wird es noch ein paar Resttickets geben. Die Hannoveraner kommen mit 1.600 Gästefans. Es dauerte gerade mal ein paar Stunden, ehe diese im Vorkauf verteilt waren.


Da stellte sich natürlich auch noch die Frage, ob man sich da auch im Vorfeld schon Gedanken macht, wie das am Freitagabend vor so vielen Leuten wohl sein wird, und wann die Aufregung wohl kommt. Auch darauf hatte Ole Werner eine klare Antwort: „Aktuelle lasse ich diese Dinge noch außen vor, weil es genug Dinge gibt, die vorbereitet werden müssen, damit das am Freitag auch ein guter Abend wird für uns alle.“ Doch dann fügte er noch hinzu: „Dass man sich auf das Spiel freut und das spätestens in dem Moment, wenn man mit der Mannschaft zum Aufwärmen rausgeht und auch die Atmosphäre aufsaugen kann, ein Kribbeln kommen wird und auch bei einem selbst Emotionen ins Spielen kommen werden, ist nicht zu vermeiden. Das sollte doch auch so sein. Ansonsten müsste ich zum Arzt."


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