• Chris

Mein Rainer Ernst: Hier waren und sind die Toppmöllers

Am Wochenende startet die Pokalsaison. Willkommene Abwechslung, um reichlich Selbstvertrauen tanken zu können oder leidige Pflichtaufgabe, die vom Wesentlichen ablenkt? Oder irgendwas dazwischen? Egal! So oder so steht am Sonntag für die KSV die 1. Runde im DFB-Pokal an und die führt die Störche nach Salmtal. Besser gesagt in den Ortsteil Salmrohr zum dortigen FSV. Und genau wie die meisten von euch, hat sich auch Adebar gefragt, wo genau das eigentlich liegt und wer dieser FSV Salmrohr überhaupt ist. Daher haben wir uns das ganz einfach gemacht und einfach mal direkt beim Verein nachgefragt. Also, ab nach Rheinland-Pfalz.


Fotocredit: FSV Salmrohr, Kranz

Hätten sie auch so gejubelt, wenn sie geahnt hätten, dass die KSV kommt?

Und da konnten wir uns den Medienbeauftragten des 1921 gegründeten Vereins, Marco Bader, schnappen. Fast hundert Jahre hat der FSV nun auf seinem Buckel, doch viel gehört hat man zuletzt nicht von ihm. Als Mitglied der Rheinlandliga spielen die Salmrohrer in der sechsten Liga und finden aktuell in erster Linie regional Resonanz. "Das war allerdings nicht immer so", hebt Bader seinen Zeigefinger und lässt Adebar zuhören: "Zu Beginn spielte sich die meiste Zeit in der Tat auf Kreis- und Bezirksebene ab. In den 70er Jahren gelang dann aber der Aufstieg in die höchste Amateurklasse des Landes. Das war ein erster großer Aufschwung. Nicht nur vereinsintern fällt in diesem Zusammenhang der Name Peter Rauen, der damals die Leitung beim FSV inne hatte."


Auch noch im Jahr 2019 ist der damalige Erfolgsgarant als Ehrenpräsident im Verein engagiert und mittlerweile füllt sein Sohn Christian den Posten des 1. Vorsitzenden aus.

Es sollte nicht bei lediglich regionaler Bekanntheit bleiben. So ist die Partie gegen Holstein auch nicht die erste Partie auf bundesweiter Pokalebene. "Schon 13 Mal gelang es uns, uns für den DFB-Pokal zu qualifizieren", klärt Marco Bader auf. Dabei standen auch eine ganze Reihe von Duellen mit - und das müssen wir auch aus Kieler Sicht eingestehen - namhafteren Gegnern wie Borussia Dortmund, Werder Bremen, Bayer Leverkusen und der aus Adebars Sicht unverdiente Erstligist VfL Wolfsburg an.


Fotocredit: FSV Salmrohr

1,2,3-Oberkörper frei! Aufstiegsjubel 1986, Klaus Toppmöller (3. v.Links) und Teamkameraden

Das war aber längst nicht alles in Salmrohrs bundesweiter Fußballhistorie. "Wir sind immer noch der kleinste Ort, der jemals Profiluft geschnuppert hat", sagt der Medienbeauftragte mit gerechtfertigtem Stolz in seiner Stimme. Salmrohr ist lediglich ein Ortsteil des heutzutage gerade mal rund 2.400 Einwohner beherbergenden Salmtals. Es war im Mai 1986 - damals waren es wohl noch nicht mal 2.000 Dorfbewohner -, als der FSV am letzten Spieltag den Aufstieg in die 2. Bundesliga klarmachte. Zwar wurde man "nur" Zweiter, doch da Meister Wormatia Worms auf den Aufstieg verzichtete, reichte auch dieser Platz.


In den Reihen der damaligen Aufstiegstruppe finden sich auch große Namen des deutschen Fussballsports: Weltmeister und Schwalbenheld Bernd Hölzenbein sowie Goalgetter, Kulttrainer und Frisurikone Klaus Toppmöller kämpften sich als Spieler des FSV durch die Oberliga Südwest in die 2. Bundesliga. Das Abenteuer Profifußball lief zwar nur eine Saison, aber Marco Bader spricht auch für die damaligen Beteiligten, wenn er sagt: "Das war ein Riesenerlebnis damals, von dem der ganze Verein und sein Umfeld gezehrt hat." Als Tabellenschlusslicht stieg man mit 4 Siegen und 13 Unentschieden nach 38 Spieler recht deutlich wieder ab. Ein Hauch von damals weht allerdings auch heute noch durch das Salmtalstadion. Mit Nico Toppmöller steht immerhin der Neffe von Klaus im aktuellen Kader des FSV.


Den Abstieg hat man gut verdauen können in dem kleinen rheinland-pfälzischen Örtchen. 1990 konnte man doppelt feiern im Salmtal. Dank Andi Brehmes Elfmeter war man auch hier Weltmeister und zudem gelang es dem FSV die Deutsche Amateurmeister einzufahren. Auch seit den 2000ern sammelten die Salmrohrer erwähnenswerte Erfolge: 2002 wurde man wie 2019 Rheinlandpokalsieger, in den Jahren 2006 und 2011 schaffte man den Sprung in die Oberliga. "Dort würden wir uns auch sehr gerne bald wieder einreihen", sagt Marco Bader selbstbewusst. "Unser Trainer Lars Schäfer und der Sportliche Leiter Karl-Heinz Kieren haben für ein erfolgsversprechendes Gerüst gesorgt. Wir haben eine junge Truppe, die reichlich Potenzial aufweist."


Fotocredit: FSV Salmrohr, Kranz

Verwandelte den entscheiden Elfer im Finale des Landespokal - Nico Toppmöller

Nach dem ersten Spieltag belegen die "Salmis", wie sie liebevoll von Adebar genannt werden, noch wenig aussagekräftig den 5. Platz in der Rheinlandliga. Allerdings startete dieser erste Spieltag schon mit jeder Menge Spektakel für den Gegner der KSV. 4:3 gewann Salmrohr zu Hause gegen den TuS Kirchberg 09. Die frühe 1:0 Führung wurde durch einen lupenreinen Hattrick vom Kirchberger Daum zerschossen und so sah es lange nach einer Heimpleite aus. in Minute 79. und 81. schlugen die "Salmis" dann zurück, bevor in der 92. Minute Abwehrmaschine Maximilian Düpre zum 4:3 einschenkte und die 244 Zuschauer zur Ekstase brachte. Adebar war zwar nicht dabei, ist aber der Meinung, klingt nach 'nem geilen Spiel.


Natürlich ist Kirchberg nicht Holstein und die 6. Liga nicht der DFB-Pokal, trotzdem zeigt das Spiel, die Truppe hat Moral. Es wäre unseren Profis also zu wünschen, nicht nur den Mindestsatz an Kohle auf den Grill zu werfen, sondern den ganzen Sack anzuzünden, um klare Verhältnisse zu schaffen. Chancenwucher wie gegen Sandhausen und Darmstadt rächt sich auch gegen einen Amateur irgendwann. Also Adebars Wunsch besonders an die Jungs in vorderster Reihe: Das Runde muss ins Eckige und nicht daneben!

Salmrohr wünschen wir geiles Wetter, kaltes Bier und einen Ehrentreffer.

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