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Interview mit Zlatko Janjic vom SC Verl

Die Kicker des SC Verl sind nun nicht durchgänging geprägt von Profi-Erfahrung aus Deutschlands ersten drei Ligen. Doch mit Zlatko Janjic ist ein Spieler darunter, der seine Buffer bereits in jeder dieser Ligen geschnürt hat. Stationen des 33-Jährigen waren unter anderem Arminia Bielefeld, Wehen Wiesbaden, MSV Duisburg und zuletzt Sonnenhof Großaspach. Da Adebar auf Erfahrung steht, haben wir uns gedacht: Schnacken wir doch mal eine Runde mit Janjic über seine Situation in Verl und seine Meinung zu Holstein Kiel.


Foto: SC Verl

Moin, Moin Zlatko! Woran denkst Du, wenn Du den Namen Holstein Kiel hörst?

Es ist ein etablierter Zweitligist. Holstein ist – als ich damals in Duisburg gespielt habe – ein Jahr nach uns aufgestiegen. Natürlich denke ich auch an die Relegation, in der Holstein um den Aufstieg in die Bundesliga mitgespielt hat. In Kiel wird auf jeden Fall sehr gut gearbeitet. Sie geben jungen Spielern die Chance sich dort zu entwickeln und damit sind sie meiner Meinung nach bisher ziemlich gut gefahren.


Deine Bilanz gegen Holstein ist eher mau: ein Sieg, ein Remis und drei Niederlagen. Gibt es ein konkretes Spiel, dass Dir dabei direkt in den Sinn kommt?

Klar, das ist ganz einfach das Aufstiegsspiel mit dem MSV, als wir am vorletzten Spieltag 3:1 gegen Kiel gewonnen haben. Der Sieg hat uns den direkten Aufstieg gebracht. Diese positiven Gefühle sind natürlich das Erste, was mir in den Sinn kommt. An die Niederlagen kann ich mich gar nicht erinnern. (lacht)


Du bist in der laufenden Saison zum SC Verl gekommen. Was hat für dich den Ausschlag gegeben, Dich dem Team anzuschließen?

Ich komme hier aus der Region, bin in Bielefeld aufgewachsen, habe die Jugendmannschaften bei der Arminia durchlaufen. Ein sehr guter Freund von mir, Stefan Beckhoff, sitzt hier im Vorstand und so kam schnell Kontakt zustande. Es gab halt schon immer die Überlegung, dass ich zum Ende meiner Karriere zurück in die Heimat gehe und eben vielleicht auch noch mal für den SC Verl spiele. In diesem Sommer war es eigentlich noch nicht so klar, da ich zwei, drei andere Angebote hatte. Aber nachdem ich mir alles intensiver angeschaut habe, war es ganz einfach, mich für Verl zu entscheiden. Die Mannschaft ist spitze, ich kann in Bielefeld wohnen und in der Nähe von Bielefeld spielen. Das passt.


Foto: SC Verl

In der Regionalliga zeigst Du auf jeden Fall Deinen Torinstinkt. Aber wie würdest Du im Allgemeinen Deine Rolle im Team definieren? Bist Du da derjenige, der Routine und Ruhe hineinbringen soll?

Ich denke schon, dass genau das meine Aufgabe ist. Gerade wenn es mal hektischer im Spiel zugeht, wissen die Jungs, dass sie mich jeder Zeit anspielen können, da ich durch meine Erfahrung natürlich auch nicht mehr schnell nervös werde. Wir haben eben eine junge Mannschaft, die noch nicht so viel Erfahrung hat und da bin ich bestimmt ab und zu hilfreich für die Jungs. Auch im Training versuche ich, viel von dem, was ich in meiner Karriere mitgenommen habe, weiterzugeben.


Kiels Erstrundengegner FSV Salmrohr war durchaus sehr enttäuscht, als ihnen die KSV zugelost wurde. Wie war Euer Empfinden, als die Kugel Holstein Kiel als Euer Gegner gezogen wurde?

Also, enttäuscht waren wir mit Sicherheit nicht. Wenn man in der ersten Runde einen Erstligisten hatte, den man schlagen konnte, denkt man sich auch, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, einen Zweitligisten zu bekommen. Vielleicht ist dann noch eine Überraschung möglich mit der gleichen Teamleistung, wie man sie in Runde eins gezeigt hat. Das Gefühl ist ein bisschen gemischt. Man hofft einerseits natürlich irgendwie schon auf das ganz große Los, sodass man vielleicht in ein anderes Stadion ausweicht und mal vor 20.000 oder sogar 30.000 Leuten spielt. Andererseits ist aber eben der Zweitligist ein interessantes Los, weil es auch ein machbares Los ist.


Wie geht man denn so ein Spiel gegen ein Team, das zwei Ligen höher spielt, an?

Wie gegen Augsburg. Wir haben eigentlich immer die gleiche Spielausrichtung und -philosophie. Wir attackieren vorne, spielen Offensivpressing. Das haben wir gegen Augsburg so gemacht und auch in jedem Meisterschaftsspiel. Wir spielen offensiven, attraktiven Fußball. Dafür trainieren wir jeden Tag und wir werden sicher nicht großartig von dieser Marschroute abrücken. Immerhin sind wir damit bisher ja gut gefahren. Natürlich sind die Kieler individuell stärker als wir. Aber im Fußball ist das nicht immer das Entscheidende – wie wir es gegen Augsburg bewiesen haben. Im Fußball zählt eben auch der Kampf sowie die Einstellung zum Spiel. Und so manches Mal eben auch das Quäntchen Glück.


Foto: SC Verl

Es hat nicht lange gedauert, bis die 5.000 Tickets für das Spiel weg waren. Nun wird es zwar kein Hexenkessel in der Sportclub Arena werden, aber was bringt einem Spieler so ein ausverkauftes Stadion?

Auf jeden Fall Motivationsanreiz. Das ist das erste Mal, dass das Stadion in Verl ausverkauft ist. Das wird etwas Neues für die Jungs sein – auch wenn wir vor Kurzem in Essen vor 10.500 Leuten gespielt haben. Vor ausverkauftem Haus zu spielen, kann nur von Vorteil sein.


Wo siehst Du die Stärken und Schwächen der Holstein-Mannschaft?

Die Stärken sind meiner Meinung nach ganz klar im Offensivbereich. Da hat Kiel sehr flinke und variable Spieler, die sehr gut im Eins-gegen-eins sind. Die bisherige Saison zeigt, dass aktuell die Konstanz nicht so die Kieler Stärke ist: Einem guten Spiel folgten ja meist gleich, zwei, drei schlechte Spiele. Aber, wie eben schon gesagt, individuell sind sie natürlich gut besetzt.


Gibt es denn einen bestimmten Kicker in den Reihen von Holstein, vor dem ihr besonders Respekt habt?

So genau sind wir noch nicht auf den Gegner Holstein Kiel eingegangen. Aber ich kenne ja den „Rudi“ Baku ziemlich gut. Letztes Halbjahr habe ich noch mit ihm in Großaspach zusammengespielt. Mit seinen Fähigkeiten kann er auch schon mal ein Spiel lenken und entscheiden. Das ist auf jeden Fall einer im Offensivbereich, auf den wir aufpassen müssen.


Abschließend möchte ich noch mal kurz auf die Meisterschaftsrunde schauen: Ihr seid aktuell Erster. Wo soll es für den SC Verl diese Saison hingehen?

Wie Du schon sagst, wir haben den Sprung auf den ersten Platz geschafft und den wollen wir so lange wie möglich verteidigen. Und wenn es bis zum Ende der Saison so ist, dann nehmen wir das natürlich an.


Danke für das Gespräch, Zlatko! Natürlich hoffe ich aus subjektiver Sicht auf ein Holstein-Weiterkommen, aber ich wünsche Dir trotzdem viel Erfolg für das Spiel am Mittwoch!

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