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Hannes Drews über KSV, HSV und Anstehen beim Bäcker

Als echter Schleswig-Holsteiner und Adebar-Redakteur ist es natürlich klar, dass ich mit den Granden der Fussballszene per Du bin und mit vielen regelmäßig bei Whiskey und Rauchschwaden im Zigarrenzimmer des Kieler Kaufmanns über unser Rasenballett philosophiere. Einen dieser Fachmänner habe ich aber besonders gern, und das liegt nicht nur daran, dass ich in meiner Jugendzeit so manches Bierchen in seinem Partykeller meine Kehle heruntergeschüttet habe. Hannes Drews und ich sind im selben Freundeskreis aufgewachsen und haben als Dorfkinder unsere gemeinsame Liebe zum Fussball, Scheunenfeten und Partykellerbierchen genossen. Mittlerweile arbeitet der ehemalige Interimstrainer von Holstein Kiel (2 Spiele) und Cheftrainer des FC Erzgebirge Aue (32 Spiele) ein Dorf weiter beim großen Rautenclub und betreut dort die U21. Höchste Zeit also, ein kalten Partykellerbier auf den Tisch zu stellen und mal wieder zu quatschen.


Hannes, alte Stahlfrikadelle. Das Wichtigste zuerst: Aktuell stehst Du mit der U21 des HSV in der Tabelle ja hinter der U23 der KSV, was mir natürlich gut gefällt. Allerdings habt ihr uns dafür am 3. Spieltag eine 0:6-Klatsche verpasst. Daher geht das Bierchen heute auf Dich!

Hannes: Geht klar.


Ich gehe davon aus, dass Du Holstein nicht aus den Augen verloren hast, oder?

Absolut. Ich habe den Verein ja 2017 in Richtung Aue verlassen und mir seitdem eigentlich immer, wenn es möglich war, die Spiele der KSV angeschaut. Das klappte mal mehr, mal weniger. Aber ich denke, ich habe noch einen ganz guten Blick auf den Verein und seine Arbeit der letzten Jahre.


Dann testen wir das doch mal! Wer ist aktuell Cheftrainer? Kleiner Tipp: Du hast mit ihm schon einmal interimsmäßig die Profis von Holstein Kiel für zwei Spiele betreut.

Natürlich habe ich die Beförderung von Ole mitbekommen und mich auch riesig für ihn gefreut.


Du hast ja intensiv mit ihm zusammengearbeitet. Kannst Du uns etwas zu ihm erzählen? Was ist er für ein Typ in Deinen Augen?

Ole ist ein Typ, mit dem man gerne mal ein Bier trinken geht. (lacht) Der passt in die Welt. Er weiß genau, was er will und was nicht. Ein absoluter Teamplaner mit einem guten Humor, wie ich finde. Als Trainer hat er ein gutes Gespür für die Stimmung im Team und wie es den Jungs so geht. Er weiß genau, wann die Zügel mal angezogen werden müssen und wann es mal einen freien Tag braucht. Außerdem ist er jemand, der einen sehr guten Instinkt hat, wann die Aufstellung präsentiert wird oder wann es 'ne Ansprache braucht. Er ist einfach jemand, der sehr gut mit Menschen umgehen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Meisten – wenn nicht sogar alle – sehr gerne mit ihm arbeiten.


Du hast ja damals mit ihm zusammen für zwei Spiele die erste Mannschaft in der dritten Liga interimsmäßig betreut. Wie kam es dazu und wie lief die Zusammenarbeit zwischen euch?

Ralf Becker hat uns damals beide in sein Büro bestellt und uns die Entscheidung des Vereins mitgeteilt. Die Tage vorher hatte es schon etwas gekriselt mit Karsten Neitzel, daher konnte ich mir schon denken, was passiert. Ein wenig Bauchschmerzen hatte wir wegen Karsten Neitzel zuerst aber schon, das muss ich zugeben. Wir haben uns bis dahin immer super mit ihm verstanden und daher fanden wir es natürlich schade, ihn zu ersetzen. Als man uns dann gebeten hat, das zu machen, haben wir dennoch beide nicht lange überlegen müssen, da wir zu dem Zeitpunkt schon lange im Verein tätig waren und uns mit Holstein identifiziert haben. Was unsere Arbeitsaufteilung anging, haben Ole und ich schon den größten Teil gemeinsam gemacht. Training, Analyse, Aufstellung, Spielergespräche – da haben wir eng als Team gearbeitet. Ansprachen vor dem Team, also Aufstellung und Pausenansprachen, hat immer Ole übernommen. Es war auch explizit vom Verein so gewünscht, dass Ole vor der Mannschaft als

Cheftrainer auftritt.



Du bist ja dann wenig später selbst zum alleinigen Cheftrainer des FC Erzgebirge Aue, eines Zweitligisten, geworden. Daher weißt Du ja sehr genau wie es sich anfühlt, da unten an der Linie als neuer Trainer im Profifußball zu stehen. Ist es schwer für einen jungen Trainer in einer solchen Situation?

Entscheidend ist, wie du dich gibst. Wenn du dich hinstellst und meinst, du weißt alles besser und dirigierst, ohne die Mannschaft mitzunehmen, dann bekommst du schnell Probleme. Da fragen sich die Spieler dann schon: Okay, wie viele Spiele hat der denn schon gemacht in der ersten oder zweiten Liga? Aber wenn du es hinkriegst, dein Knowhow zu vermitteln und die Spieler dabei mit ins Boot nimmst, sie mitentscheiden lässt, deine Entscheidungen erklärst und begründest, dann bekommt man das auch als junger Trainer hin.


Wenn ich mal nicht mit der Kamera am Spielfeldrand sitze und stattdessen in der Kurve stehe, bin ich jemand der viel brüllt, anfeuert und mitleidet. Wie geht es Dir als Trainer während der 90 Minuten? Was macht das Spiel mit Dir?

Das gesamte Spiel über stehe ich als Trainer unter Vollspannung. Adrenalin pur. Ich bin permanent am Überlegen: Was kannst du machen, habe ich noch Wechsel, würde ein Wechsel jetzt helfen, was kann taktisch geändert werden, wieso haben wir keinen Zugriff? Da läuft die Birne die ganze Zeit. In brenzlichen Situationen schlägt es dir auch schon mal auf den Magen. Als Holstein beispielsweise das späte 1:1 gegen den HSV schlucken musste, wird Ole innerlich komplett ausgerastet sein, dass sein Team so spät noch so ein Scheißding frisst. Da möchte man nur noch schreien. Aber das gehört eben auch dazu.


Das glaub' ich sofort. Eigentlich bemerkenswert, dass es gerade nach solchen Spielen so selten Ausraster am Mikrofon gibt. Besonders wenn ich mir die teilweise grenzbeknackten Fragen einiger Moderatoren anhöre.

(lacht) Ja, es ist immer gut, dass man ein paar Momente hat, bevor die TV-Veranstalter einen zum Gespräch bieten. Direkt nach dem Spiel ist es manchmal schon schwer, ruhig zu bleiben. Da muss man hier und da aufpassen, um seine Emotionen in Worte fassen zu können. Es gibt ein paar Trainer, die haben das Standing und können sagen, was sie wollen. Aber alle anderen werden schnell mal an den Pranger gestellt, wenn die Emotionen mit ihnen durchgehen.


Nachdem Du damals den Abstieg verhindern konntest, hast Du trotzdem bei Aue aufgehört und bist dann einige Zeit später in den Nachwuchsbereich zur U21 des HSV als Cheftrainer gegangen. Wieso?

Ich hatte eine Menge sehr guter Gespräche mit dem HSV. Der Verein besitzt natürlich eine enorme Strahlkraft. Gerade für Jungs wie uns aus dem Norden ist der HSV eine richtig große Nummer, keine Frage.


Hast Du die Entscheidung schon einmal bereut?

Nein, keine Sekunde. Es macht mir viel Spaß mit den Jungs im Nachwuchs zusammenzuarbeiten. Das ist aktuell genau das, was ich machen will. Außerdem ist es schon beeindruckend, so dicht mit einem Trainer wie Dieter Hecking zusammenzuarbeiten. Durch die Ruhe, die dank ihm bei unseren Profis herrscht, herrscht auch bei uns im Nachwuchsbereich dieselbe Ruhe. Wie der momentan das große HSV-Schiff in der Spur hält, ist Wahnsinn. Der hat einfach eine unglaubliche Ruhe, eine extreme Medienpower, klare Ansprachen, steht zu seiner Meinung. Außerdem ist die Vernetzung zu meiner Mannschaft sehr gut. Wir sprechen beispielsweise oft mit dem Trainerstab ab, welche Spieler bei den Profis mittrainieren könnten. Da kann ich viel lernen, dafür bin ich sehr dankbar.



Was ist der größte Unterschied, wenn man mit einer Nachwuchstruppe beim HSV oder der Profimannschaft von Aue arbeitet?

Die Medienarbeit und Präsenz, ganz klar. Logisch gibt es hier in Hamburg auch ein paar Medien, die ich bediene. Aber ich habe keine Pressekonferenzen vor und nach jedem Spiel und tauche nicht jeden beziehungsweise jeden zweiten Tag groß in den Zeitungen oder anderen Medien auf. Daher kann ich mich bei der Arbeit – vor allem unter der Woche – hier im Nachwuchsbereich natürlich viel stärker auf meine Trainertätigkeit konzentrieren. In Aue hat mich wirklich so gut wie jeder auf der Straße erkannt. Wenn ich da am Sonntag beim Bäcker Brötchen geholt habe und wir hatten das letzte Spiel gewonnen, dann haben mich alle vorgelassen. 'Bitte Herr Drews, gehen sie ruhig vor! Tolles Spiel gestern.'


Und wenn ihr verloren habt?

(lacht) Wenn wir verloren haben, dann kam: 'Nun müssen sie sich aber auch hinten anstellen. Das war ja wohl nichts gestern.' Ich habe mich natürlich immer hinten angestellt. Aber auch beim Einkaufen wird dann schon mal in deinen Einkaufswagen geguckt, um zu sehen, was du so kaufst. Das ist in einer kleinen Stadt wie Aue schon etwas extremer als in einer Metropole wie Hamburg, klar.


Das heißt, Du kannst Dir jetzt in der großen Stadt abends auch ruhig mal ein Bierchen reinschütten, ohne dass Du gleich mit Buddel an der Lippe in der Zeitung landest, oder?

Ja, das ist auf jeden Fall richtig. In Aue gab es ein Restaurant, in dem ich gerne mal saß und etwas gegessen und getrunken habe. Da musste ich schon aufpassen. Da kommen dann öfters mal Leute und wollen ein Selfie machen. Wenn man da dann mal drei Bier trinkt, okay – bei mehr muss man sich aber schon zusammenreißen. (lacht)


Ich wäre kein guter Trainer.

Deswegen bist Du ja auch Fotograf geworden.


Das stimmt, da kann man auch mal vierzehn oder fünfzehn Bier trinken. Apropos Bier, ich bin dafür, wir beenden hier das Interview und widmen uns unseren Gerstengetränken. Möchtest Du noch etwas sagen? Ein Schlusswort sozusagen?

Zwei Sachen, ja. Als Erstes wünsche ich Ole und der gesamten KSV aus alter Verbundenheit alles Gute und dass sie ihre Ziele erreichen. Und zweitens: Prost!!!



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