• Chris

Das derbe Dutzend: Zwölf Neue für die KSV! (Teil 1)

Aktualisiert: 6. Nov 2019

Unter Fußball-Fans gehört das „Sprüchedrücken“ einfach dazu. Doch vor einigen Tagen ging ein Kumpel von mir, der ebenfalls die blau-weiß-roten Farben im Herzen trägt, zu weit: Angeblich würde ich jedes Jahr aufs Neue, wenn sich der erste Anpfiff der Saison nähert, von dem so vielfach überstrapazierten Kribbeln in der Bauchgegend sprechen, das ich wieder spüren würde und was mich zusehends aufgeregt werden lässt – so kurz vor Saisonbeginn. Ich würde dann stets ins Phrasendreschen verfallen. Ich? Phrasendreschen? Das hackt wohl… So etwas habe ich nie (wiederholt) gesagt. Aber ganz ehrlich? Stimmen tut’s trotzdem!


Einen großen Teil trägt natürlich dazu bei, dass man oft einfach nicht weiß, wo genau seine Truppe so vorm ersten Spieltag steht. Sind alle potentiellen Leistungsträger fit? Welche Aussagekraft hatten die Testspiele wirklich? Wie gut haben sich die Neuzugänge eingefügt und können sie die schmerzhaften Abgänge vergessen machen? Diese Fragen beginnen sich erst mit dem ersten Anstoß der Saison zu klären. Und auch genau deswegen fiebert man so sehr auf diesen hin. Denn wer lebt schon gerne in Unwissenheit?


Dass die KSV wieder einen Haufen neuer Spieler unter einem neuen Trainer einzubinden hat, haben wir alle mitgekriegt. Da das Gros der Spieler vor dem Wechsel zu den Störchen meist eher unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit geflogen ist, wollen wir euch die neuen Gesichter vorm Saisonstart einmal genauer vorstellen. Damit auch hier keiner mehr in Unwissenheit leben muss.


Daniel Hanslik: Sein fußballerischer Werdegang erinnert etwas an den von Ex-Captain Rafael Czichos. Hanslik hat nie ein Nachwuchsleistungszentrum besucht, sondern sich stattdessen über die Amateurligen nach oben gearbeitet. Durch reichlich Tore in der hessischen Verbands- und Oberliga schoss sich der Mittelstürmer in die Regionalliga zur U23-Mannschaft nach Wolfsburg. Einer für Spieler und Verein eher durchwachsenen ersten Saison (21 Spiele, 8 Tore, 5 Vorlagen) folgte eine bärenstarke zweite Saison. Mit 22 Toren und 11 Vorlagen in 31 Pflichtspielen hatte der 22-Jährige einen gehörigen Anteil am Aufstieg in die 3. Liga. Interessanterweise hat Hanslik nach einer Verletzungspause im letzten Saisondrittel keinen Treffer mehr in den letzten zehn Saisonspielen erzielen können. Stattdessen hat er aber seine Geberqualitäten gezeigt und mit sechs Vorlagen in dieser Zeit seine Mitspieler bestens in Szene gesetzt. In den beiden Aufstiegsspielen hat er dann auch seinen Torriecher wiedergefunden. Dass der gebürtige Bad Hersfelder gegenüber den Kieler Nachrichten Miro Klose als sein großes Vorbild angegeben hat, verwundert jedenfalls nicht. Und eine ähnliche Torquote würden wir mehr als begrüßen.


Mit Daniel Hanslik hat sich die KSV allem Anschein nach große Torgefahr an Bord geholt und so könnte auch nachhaltig große Konkurrenz für den letztjährigen Top-Scorer Janni Serra als erster Mittelstürmer erwachsen. Allerdings zeigen zum einen Schuberts taktische Varianten bei den Testspielen, dass durchaus Platz für beide sein könnte – immerhin probierte der Trainer immer wieder ein System mit zwei Stürmern – und zum anderen haben sich in der Vorbereitung auch andere Stürmer hervorgetan, die in der Rangfolge noch vor Hanslik zu stehen scheinen.


Phil Neumann: Die 1,92-Meter-Kante kann in der Verteidigung flexibel eingesetzt werden, wie er in der letzten Saison beim FC Ingolstadt vermehrt gezeigt hat. Aufgrund seiner Größe und der damit verbundenen Kopfballstärke sieht man ihn selbstredend gerne in der Innenverteidigung, doch Trainer Thomas Oral setzte den Defensivmann im Abstiegskampf stets auf der Position des rechten Außenverteidigers ein. Denn trotz seiner langen Gräten kann er ziemlich gut mit der Kirsche umgehen.


Und das ist für die KSV nach der schlimmen Verletzung von Jannik Dehm nun auch Gold wert. Schien Andrè Schubert während der Vorbereitung nicht auf rechts, sondern in der Defensivzentrale zu planen, um Hauke Wahl auf die Sechs zu ziehen. So hat dieses Experiment am vergangenen Sonntag nun allerdings wahrscheinlich vorerst sein Ende gefunden. Auch wenn das Defensiv-Dreieck Neumann, Schmidt und Wahl davor in den Testspielen immer wieder zu überzeugen wusste, dürften die Konsequenz aus der Dehm-Verletzung sein, dass Neumann die rechte Seite besetzt und Wahl wieder zurückgezogen wird. Zumindest in den ersten Spielen der Saison. Denn nach einer kurzen Eingewöhnungszeit könnte Neuling Aleksandar Ignjovski die Karten diesbezüglich wieder neu mischen.


Young-jae Seo: Lediglich sieben Partien haben ausgereicht, das Seo nach dem Abstieg des MSV Duisburg zu den ersten Spielern des Kaders zählte, von denen klar war, dass sie aufgrund ihres Potenzials in der 2. Liga bleiben werden und den „persönlichen Klassenerhalt“ feiern können. Interessenten gab es dem Vernehmen nach einige, durchgesetzt haben sich aber am Ende eben die Kieler Störche. Und so ließ sich mit dem zweiten Südkoreaner im Team für die zuletzt dünn besetzten Außenbahnen auf jeden Fall schon mal eine quantitative Verbesserung verzeichnen. Auch wenn Seo sich anfangs sicher mit dem Standing des Back-ups vom erfahrenen Platzhirsch Johannes van den Bergh begnügen muss. Mit etwas mehr als einer Handvoll Zweitligaspielen wird der 24-Jährige der Erfahrung van den Berghs noch nicht allzu viel entgegensetzen können. Zumal der Faktor Erfahrung einer ist, an dem es im aktuellen Holstein-Kader doch noch sehr mangelt. Dennoch wird von dem emsigen Linksverteidiger zu erwarten sein, dass er auf dem Trainingsplatz alles daran setzt, diesen Umstand so schnell es geht zu ändern und sich endlich auf Dauer im Profibereich durchsetzen.


Das konnte ihm seit seiner Ankunft in Deutschland im Sommer 2015 noch nicht gelingen. Damals stieß er mit dem Ausblick, sich für die erste Mannschaft empfehlen zu können, zur U23 des HSV in die Regionalliga Nord. Gute drei Jahre und 60 Regionalligaspiele später war es nichts mehr mit der Aussicht auf einen Kaderplatz bei den Profis, die sich in der Zeit noch als Erstligist bezeichnen konnten, und so stand der Wechsel zum MSV Duisburg an. Anhand seiner Spielzeiten kann man nicht davon sprechen, dass er sich bei den Zebras durchgesetzt hat, dennoch hat er scheinbar nachhaltig Eindruck hinterlassen, da der MSV gerne auf ihn als Pfeiler für den Neuaufbau in Liga drei gesetzt hätte.


Lion Lauberbach: Es ist vielleicht der überraschendste Transfer der KSV in diesem Sommer. Immerhin galt für Lauberbach in der überwiegenden Zeit der vergangenen zwei Jahre sowohl in Erfurt (Saison 17/18) als auch in Zwickau die Bezeichnung Teilzeitkraft. Doch ab Spieltag 30 der letzten Saison sollte alles anders werden. Zum Saisonende avancierte der 1,94-Hüne zum unumstrittenen Stammspieler und wertvollen Scorer: Vier Tore und eine Vorlage steuerte er in den neun Spielen für den FSV bei. Die sportliche Leitung der Zwickauer freute sich über ein großes Talent in den eigenen Reihen und natürlich waren die Notizblöcke reichlicher Interessenten längst gezückt. Gerne hätte man Lauberbach länger als nur das eine Jahr in Zwickau behalten, doch gegen die sportliche Konkurrenz hatte man keine Chance und so akzeptierte FSV-Sportdirektor Toni Wachsmuth den „sportlichen Verlust“ und freute sich über eine laut Tag24 geringe sechsstellige Summe.


Natürlich hat Lauberbach wie die restlichen offensiven Mitstreiter seine Einsatzzeiten in den Testspielen bekommen und sie auch durchaus immer wieder zu nutzen gewusst, dennoch sieht es so aus, als ob er sich erst einmal noch gedulden muss. Noch dürfte er kein Thema für die Startelf sein. Wie schnell er sich für diese auch außerhalb der Trainingszeiten empfehlen kann, ist sicher – ähnlich wie bei Daniel Hanslik – auch davon abhängig, wie oft sich André Schubert für eine oder eben zwei Spitzen aufm Feld entscheidet.


Makana Baku: Am selben Tag wie sein Offensivkollege Lauberbach kam auch Baku aus der 3. Liga. Seine Rolle im Team war aber eine andere: Bei der SG Sonnenhof Großaspach war er absolute Stammkraft und bestritt sämtliche 38 Ligaspiele der letzten Saison. Auch wenn der 21-Jährige immer mal über Rechtsaußen kam oder hin wieder auch in der Mitte spielte, ist seine bevorzugte Seite die linke. Daher durfte er sich meistens auch auf der Seite austoben und sorgte vor allem von dort für seine acht Vorlagen und vier Tore. Ausgebildet wurde Baku beim 1.FSV Mainz 05, wo sein Zwillingsbruder Ridle weiterhin unter Vertrag bei den Profis steht, Seine starken Leistungen in der 3. Liga blieben auch den Verantwortlichen des DFB-Nachwuchses verborgen und so absolvierte er bis dato zwei Partien für die deutsche U20. Im November 2018 wurde er unter Trainer Meikel Schönweitz in den Partien gegen Italien (3:3) und England (0:2) eingewechselt.


Die Annahme dürfte nahe liegen, dass sich Makana Baku über entsprechende Leistungen bei der KSV auch wieder für die deutsche Nachwuchs-Auswahl empfehlen will. In der Vorbereitung gelang es ihm immer wieder auf sich aufmerksam zu machen – insbesondere durch seinen schönen Ausgleichstreffer beim 1:1 gegen Odense. Mit Sicherheit ist er zum Saisonstart eine große Option für die linke Außenbahn. Viel könnte dabei aber auch von der Positionierung des wohl spielstärksten Holsteiners abhängen: Jae-sung Lee. Der Südkoreaner ist zu einer hohen Wahrscheinlichkeit gesetzt und wird spielen. Nur wo? Eine Möglichkeit wäre der linke Flügel. Und das ginge dann wohl zu Lasten von Makana Baku.


Bildergalerie zum Durchklicken


Ioannis Gelios: Seine fußballerische Ausbildung genoss Gelios ein gutes Jahrzehnt lang in der Jugend des FC Augsburg, ehe er 2011 zum Profikader stieß. Dort reichte es in den unterschiedlichen personellen Konstellationen aber stets nur zum Status des dritten Keepers und nie zu einem Einsatz. Stattdessen spielte er in aller Regel für die zweite Mannschaft in der Regionalliga. Mit steigendem Alter wurden aber auch hier die Einsätze weniger, da die Augsburger nach und nach lieber auf die jüngeren Nachwuchskeeper setzen wollten und so stand im Sommer 2018 nach rund 17 Jahren FCA der Wechsel zum FCH nach Rostock an. Dort stand er mit Ausnahme des letzten Spieltages bei jedem Spiel zwischen den Pfosten, ohne eine Minute zu verpassen. Ganz unumstritten war er als Nummer Eins aber dennoch nicht. Was zum einen am Vergleich mit seinem zumeist überragenden Vorgänger im Hansa-Tor Janis Blaswich gelegen haben mag, zum anderen aber auch durch die eine oder andere Unsicherheit während der Saison bedingt war. Im Kicker-Noten-Ranking der Saison 2018/19 belegt Gelios den 16. Platz unter den Torhütern.


Aller Voraussicht nach geht Konkurrenz Dominik Reimann als Favorit ins Rennen um den Posten als Stammkeeper. Auch wenn Gelios sich in der Vorbereitung ebenfalls von einer guten Seiten präsentiert und einige Pluspunkte gesammelt hat. Allerdings gilt aber wohl zu sagen, dass auf der Position des Torhüters am meisten bei der KSV gearbeitet werden muss, um hier zum Liga-Durchschnitt zu gehören. Ein Satz aus der offiziellen Pressemitteilung zur Vorstellung des Transfers könnte viele Holstein-Fans aufhorchen gelassen haben – zumindest wenn sie dem letztjährigen Torwartspiel eher kritisch gegenübergestanden haben. „Der Spielweise von Holstein Kiel und im Besonderen dem mutigen Torwartspiel zuzusehen, war in der vergangenen Saison wirklich beeindruckend“, schwärmte Gelios darin. Ob sich der gebürtige Augsburger auf diese Weise für die griechische Nationalmannschaft, für dessen U21 er fünf Spiele bestritt, empfehlen will und kann, bleibt abzuwarten.


Das war nun erst einmal die erste Hälfte der Neuzugänge. Guckt schnellstens mal wieder hier vorbei, um den zweiten Teil der Neuvorstellungen zu lesen!

  • Instagram
  • Facebook Social Icon

© 2019 by Adebar - DER STEHPLATZblog. Impressum - Datenschutz - DSGVO