• Chris

Adebars Gesprächsstoff: Manuel Schäffler als Vollblutfan

Aktualisiert: Mai 9

Relegationsrückblick Teil 1/4 -


Tja, aktuell haben wir Fußball-Fans ja massig Zeit, uns mit der fußballerischen Vergangenheit zu beschäftigen. Da fällt einem als Holsteiner natürlich schnell die Relegation der Saison 2017/18 ein. Ein Wandel zwischen schön und hässlich, Freude und Enttäuschung, Stolz und... Stolz natürlich. Wir Kieler sind uns doch alle einig, dass dieser dritte Platz und die Teilnahme an der Relegation - verpatzt hin oder her - ein wahrer Erfolg war. Also hat sich Adebar mal durch sein digitales Fotoalbum geklickt. Und so ganz in Erinnerung schwelgend stieß er auf einmal zwischen vielen bekannten Gesichtern auf ein noch bekannteres: Manuel Schäffler in der Auswärtskurve beim Spiel in Wolfsburg. Folgerichtig entwickelte sich der Gedanke, mit dem Ex-Storch doch mal über seinen Ausflug zu plaudern. Da Adebar ein Storch der Tat ist, lest Ihr hier, was "Cheffe" so zu erzählen hatte.


Moin, Moin Manuel! Schön, dass Du Dir die Zeit nehmen konntest, um ein kleines bisschen über die Relegation 2018 zu plaudern. Klar doch, das habe ich gerne eingerichtet.


Als wir in unserem Fotoarchiv gestöbert haben, sind wir auf ein Bild gestoßen, dass Dich beim Spiel in Wolfsburg inmitten der Auswärtsfans zeigt. Ja, das stimmt. Gut beobachtet. (lacht)


Wie kam es denn dazu, dass Du mitgefahren bist und dort direkt im Getümmel warst? Für mich war ja schon Saisonende. In der 3. Liga war am 12. Mai Schluss. Mit Wehen Wiesbaden haben wir die Relegation knapp verpasst, sind Vierter geworden. Da eben noch enger Kontakt nach Kiel – zu Freunden und auch ehemaligen Mitspielern – bestand, war ich mit Frau und Kind zu Besuch in Kiel. Dann hat sich die Möglichkeit ergeben, dass ich mit nach Wolfsburg fahren und mir das Relegationsspiel angucken kann. Das wollte ich dann auch unbedingt miterleben. Also sind wir mit einer ganzen Clique nach Niedersachsen gefahren. Und eigentlich war ich auch sehr, sehr positiv gestimmt, dass wir da hinfahren und etwas Ordentliches zu feiern haben.


Für die meisten Profis geht es nach Saisonschluss doch aber postwendend in den Urlaub und nicht auf die Fußballtribüne. Oder war der Kielbesuch schon ein erster Urlaubsausflug für Dich? Ja, das kann man so sagen. Im März des Jahres kam unsere Tochter zur Welt. Das bedeutete, dass wir nicht einfach so irgendwo in den Urlaub fliegen konnten und wollten. Nach unserem Kielaufenthalt sind wir in meine bayerische Heimat und haben anschließend etwas am Gardasee entspannt. Der ist ja nicht weit von dort aus.


Kommen wir wieder zu Deinem Aufenthalt in der Kurve: Man sieht auf dem Bild auch schön, dass Du dem Aufruf gefolgt bist, den Blog in Rot zu hüllen. Konntest Du Dich im Stadion denn auch mal so wirklich als Fan ausleben? Oder schwangen da ein paar Hemmungen mit, weil Du ja bei einem anderen Verein unter Vertrag stehst? Da gibt es keine Hemmungen. Das ist Fußball. Für mich war das einfach ein Erlebnis. Ich habe es mir ja auch für meine Freunde und ehemaligen Mitspieler gewünscht, dass sie dieses Ziel erreichen. Ich hatte eben eine wunderbare Zeit in Kiel, es hat mir dort unheimlich gut gefallen. Daher ist es einfach so, dass Holstein für mich eine besondere Station gewesen ist.

Wenn Du während des Spiels eben als Fan mitgefiebert hast, hast Du Dir nach so einer harten und langen Saison auch mal zwei, drei Bier gegönnt? Oder bleibst Du auch in solchen Momenten so sehr Profi, dass Du Dir lieber ein Wasser holst? Wir sind doch alle Menschen und da kann ich ehrlich sein: Ich glaube, es gibt kaum jemanden, der nach so einer langen Saison, in der er sich sehr diszipliniert verhalten und alles dafür getan hat, um gesundheitlich fit und sportlich erfolgreich zu sein, nicht auch mal aus sich rauskommen will. Ich wollte das in vollen Zügen genießen und ich wollte die Geschichte auch mal als Vollblutfan mitnehmen. Und das habe ich getan.


Du sagtest eben, dass Du noch Kontakt zu einzelnen Holstein-Spielern hattest. Hast Du Dich vor der Partie mit ein paar Ex-Kollegen unterhalten? Na klar, man wünscht den Jungs natürlich noch mal alles Gute für die Partie oder gibt vielleicht sogar noch mal Feedback zu bestimmten Dingen. Da schließt man sich vorher schon noch mal kurz.


Hast Du bei Deinen ehemaligen Mitspielern vor der Partie, eine besondere Aufregung wahrgenommen? Konntest Du da vielleicht sogar was beim Aufwärmen erkennen? Puuuh, ich wüsste nicht, dass ich mir das Aufwärmen angeguckt habe. (lacht) Aber für uns Leistungssportler kann ich sagen: Wir wissen, dass wir Gas geben und alles auf dem Platz abrufen müssen, damit wir unsere Ziele erreichen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man da konkrete Aufregung sehen konnte. In der Saison hat Holstein sicher auch nicht damit gerechnet, um den Aufstieg mitzuspielen. Das war ja schon absoluter Bonus. Den sie sich dann aber auch unbedingt holen wollten.



Nun ist das 1:1 aus Sicht des Spielverlaufs leider eines der eher wenigen Highlights gewesen. Das Ding ist aber genau vor eurer Kurve gefallen. Wie hast Du den anschließenden Freudentaumel miterlebt? Das war natürlich geil. Es war ja von Anfang an eine extrem gute Stimmung. Jeder Holstein-Fan konnte realistisch einordnen, dass es richtig schwer wird, gegen den Bundesligisten zu bestehen. Nichtsdestotrotz gibt es oftmals einen Punkt, an dem man

einen Funken mehr daran glaubt. Das war natürlich so ein Moment. In dem ist es vielleicht auch ein bisschen magisch und man versucht sich daran festzuhalten. Wie heißt es so schön? Im Fußball geht es um Emotionen und ich denke, die Emotionen waren in diesem Moment sehr hoch.


Nun herrschte in der letzten Viertelstunde des Spiels eine große Drangphase von Holstein. Marvin Ducksch und Aaron Seydel haben beide gute Chancen liegen lassen. Du bist selbst starker Torjäger. Fasst man sich daher, umso mehr an den Kopf, weil man weiß oder denkt zu wissen, wie man es besser gemacht hätte? Oder kann man das gerade deswegen nachvollziehen, dass solche Dinger eben auch mal daneben gehen? Klar kann man das nachvollziehen. Es ist ja gerade die Kunst, solche Dinge schnell abzuhaken. Du hast in solch einem Spiel als Stürmer vielleicht ein bis zwei Chancen und auf diese musst du dich während des gesamten Spiels vorbereiten. Es gibt die Spieler, die mehr darüber nachdenken und hadern und es gibt die Spieler, die diese Situationen schnell abhaken. Vielleicht sogar Mut daraus schöpfen und sich eine neue Chance erarbeiten wollen, um es dann eben besser zu machen. Das ist das Entscheidende.


Letztlich musste Holstein mit 1:3 nach Hause fahren. Wie war die Stimmungslage nach dem Spiel bei Dir? Konntest Du Dir noch vorstellen, dass Deine Ex-Kollegen das Ding gegen den Favoriten aus der Bundesliga zu Hause drehen? Ein Spiel drehen kann eine Mannschaft immer. Nimm uns zum Beispiel! Wir haben ein Jahr später in der Relegation zur 2. Liga unser Heimspiel in Wiesbaden gegen die favorisierten Ingolstädter mit 1:2 verloren. Das Rückspiel haben wir dann auswärts mit 3:2 gewonnen. Du kannst es immer. Das an solchen Tagen natürlich auch viel zusammenpassen muss, ist klar. Aber du musst daran glauben. Das hat uns in dieser Situation extrem gut getan.

Abschließend habe ich noch mal eine Frage losgelöst von der Relegation: Euer Auswärtsspiel in Kiel ist bekannterweise ausgefallen. Glaubst Du denn, dass Du diese Saison oder meinetwegen auch in diesem Jahr noch mal hier im Holstein-Stadion spielen wirst? Ich denke schon, ja. Jetzt heißt es erst mal, dass wir alle Gas geben müssen für den Moment, an dem wir wieder spielen können. Wir müssen trainieren und den Fokus aufrechterhalten, damit wir dann funktionieren, wenn es soweit ist. Wann und wie das sein wird, das liegt nicht in unserer Hand. Ich wünsche es mir jedenfalls, dass ich noch mal nach Kiel komme und dort noch mal spielen darf.


Die Fußballfans sind ja durchaus zwiegespalten, was das Thema Geisterspiele angeht. Aber bei Euch Spielern juckt es doch sicherlich schon längst in den Füßen, endlich mal wieder zu spielen, oder? Ja, klar! Als Spieler hängen wir gerade ja auch ein bisschen in der Luft. Wir alle wissen, dass es nicht so sein wird, wie wir es uns wünschen würden, wenn es wieder losgeht. Daher gilt es natürlich für uns, sensibel mit der Geschichte umzugehen, unseren Job dementsprechend anzunehmen und vielleicht auch dem einen oder anderen etwas zurückzugeben. Geisterspiele können schon hilfreich sein, damit wir unserem Beruf und der Fan seinem Hobby nachkommen kann – wenn auch erst mal nur vorm TV.


Also, ich wäre glücklich darüber. Mir fehlt es auf jeden Fall. Ich hoffe, dass man Dich – und natürlich auch die KSV – bald wieder auf dem Platz sieht. Aber erst mal vielen Dank für das unterhaltsame Gespräch, Manuel! Sehr gerne! Und schöne Grüße nach Kiel!


Bildergalerie - Cheffe bei Holstein


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